In der Restrukturierungspraxis zeigt sich immer wieder: Eine Insolvenz wird in Deutschland oft als persönliches Scheitern begriffen. Doch das eigentliche Risiko liegt nicht im wirtschaftlichen Misserfolg an sich, sondern im verspäteten Handeln. Wer als Geschäftsführer Warnsignale wie einen dauerhaften „Cash Burn“ oder eine sinkende Liquiditätsquote ignoriert, riskiert nicht nur das Fortbestehen des Unternehmens, sondern auch seine persönliche Karriere und das eigene Privatvermögen.
Kürzlich war Michael Hermanns zu Gast im Podcast von Creditreform. Im Gespräch mit Tanja Hoenemann diskutierte er über die in der Praxis oft unterschätzte, aber essenzielle Pflicht zur Krisenfrüherkennung.
Hier sind die vier Kernbotschaften aus dem fachlichen Austausch:
1. Die 90-Prozent-Hürde Sobald weniger als 90 Prozent der fälligen Verbindlichkeiten bedient werden können, schlägt das Pendel gefährlich in Richtung Insolvenzverschleppung aus. Ein monatlicher Finanzstatus ist in dieser Phase das absolute Minimum an notwendiger Transparenz.
2. Planung ist mehr als ein Dokument Ein Plan muss stets verifizierbar sein. Er benötigt den Rückhalt der Führungskräfte und erfordert eine klare Analyse der Abweichungen. Wer Pläne lediglich für die Schublade erstellt, steuert das Unternehmen blind.
3. Dokumentation als Schutzschild Die Rechtsprechung ist hier eindeutig: Was nicht dokumentiert ist, hat rechtlich nicht stattgefunden. Eine lückenlose Historie der getroffenen Krisenmaßnahmen ist die einzige Versicherung, um im Ernstfall nachweisen zu können, dass man als Organ ordnungsgemäß gehandelt hat.
4. Rechtzeitig fachlichen Rat einholen Krisenberatung ist Spezialistensache. Wer sich frühzeitig Experten an die Seite holt, sichert sich den Zugang zu modernen Restrukturierungsinstrumenten wie dem StaRUG und vermeidet, dass aus einer vorübergehenden Flaute eine unumkehrbare Haftungsfalle wird.
Fazit: Objektivität statt Befindlichkeiten
Unternehmer müssen in schwierigen Phasen weg von persönlichen Befindlichkeiten und hin zur objektiven Analyse der Wahrheit. Nur wer vorausschauend plant, Abweichungen konsequent dokumentiert und externen Rat zulässt, behält in kritischen Zeiten das Heft des Handelns in der Hand.
Wir bedanken uns bei Tanja Hoenemann und dem gesamten Team von Creditreform für den tiefgehenden fachlichen Austausch.
Hier gelangen Sie zur vollständigen Podcast-Folge: https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/insolvenz-verschleppt-wann-chefs-teuer-haften